DAS HAUS VON MORGEN – Kontaktabbruch | Entfremdung | Funkstille
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Gedanken | Worte | Gespräche

Worum geht es? Was denken andere? Wie geht man damit um?
Wir hören uns um, lassen uns berühren, gehen in Resonanz, tauschen uns aus, führen Gespräche.
Wir forschen, regen an, machen aufmerksam, informieren.

„Heute“, Gedanken

Liebe Stephanie* ,

Ich bin in Gedanken mehr bei Dir denn je.

Doch etwas fühlt sich anders an, in diesen Zeiten. Ruhig fühle ich mich, ich spüre mein Herz klopfen, wenn ich an Dich denke. Ich spüre großes Vertrauen.

In Dich.
In die Zeit, die wir miteinander verbracht haben.
In das, was wir beide, Deine Eltern, Dir mitgeben konnten.
In die Liebe, die Dein Partner für Dich empfindet. (Ich habe ihn gesehen, in der Straßenbahn, für fünf Minuten konnte ich ihn ansehen, er hat mich nicht erkannt. Ich habe mir gedacht, wie schön, dass dieser sympathische junge Mann meine Tochter liebt; Wow, ich war stolz auf mich, als ich meiner Gefühle in diesem Moment gewahr wurde)
In meinen Weg, den ich gewählt habe.
In den Weg, den Du gewählt hast.

Ich sehe Dich vor mir, vor einem Jahr, als wir uns gesehen haben, für eine kurze und doch irgendwie sehr innige halbe Stunde.
Du hast zu mir gesagt: „Mama, es tut mir gut,  keinen Kontakt mit Dir zu haben.“ Aus irgendeinem Grund hat mir das Kraft gegeben. Es war wohl die Art und Weise, wie Du es gesagt hast. Du hast mir in die Augen gesehen, warst bestimmt und dennoch liebevoll.

Es klingt wohl paradox, wenn ich sage plötzlich hat mein Herz verstanden. Du hast fest, bestimmt und dennoch liebevoll geklungen – zumindest in meinen Ohren ist das so angekommen. Ich weiß, die Bedürfnisse bestimmen die Wahrnehmung, aber für mich hat das gestimmt.
In diesem Moment auf einmal hat mein Herz verstanden und ich konnte loslassen. Was für ein Schritt für mich in die Freiheit.

Seither kann ich anders an Dich denken, fühlt meine Sehnsucht sich anders an.

Ich danke Dir sehr dafür, mein liebes Kind. Vielleicht möchtest Du das nicht hören, Kind, aber es ist nun mal so, dass Menschen immer die Kinder ihrer Eltern bleiben, auch wenn Du so erwachsen und reif gehandelt hast, wie sich das alle Eltern für ihre Kinder erhoffen.
Ich danke Dir für diesen Herzensmut.

Seither sehe ich Dinge und Stimmungen, die Dir mal gefallen haben, wieder in Freude und Schönheit.

Die Wehmut ist einem Gefühl der Verbundenheit und der schönen Erinnerungen gewichen. Verzeih, wenn ich nicht anders kann und Dir dann ein Foto solch einer Blume schicke. Es ist ein Ausdruck meines Herzens, keine Erwartung oder gar Aufforderung an Dich irgendwie zu reagieren.
Ich habe verstanden.

Seither erlaube ich mir die Gefühle, die eine Mama nun mal hat, einfach zu spüren.

Fühl Dich nicht bedrängt, wenn ich das sage, ich freu mich einfach Deine Mama zu sein. Denn Mama bleibt man ein Leben lang, das verdrängen zu wollen kann ganz schön in Bedrängnis bringen.

Das Loslassen beginnt gleich nach der Geburt. Die Nabelschnur wird durchtrennt und schon beginnt das neue Leben seinen Weg zu gehen. Wir Eltern dürfen Begleiter sein. Leben will leben und findet seinen Weg allein, egal, ob uns das so passt oder nicht.

Ich bin sogar insgeheim stolz darauf, dass Du bestimmt und sicher Deinen Weg gehst. Ich winke Dir nach, hoffnungsvoll, mit dem Wunsch an Dich Du mögest immer Deinem Herzen folgen. Das ist alles, was ich will. Was ich mir gewünscht habe für Dich, damals, als junge Mutter, ist vollbracht.

In diesen Zeiten, natürlich, meine Liebe, denke ich an Euch. Ich frage mich wie es Euch geht, in dieser Situation, mit diesem Virus. Ich frage mich, ob Du Sorgen hast, ob Du Ängste hast. Klar, am Liebsten würde ich vorpreschen und alle Sorgen von Dir weghalten, sie zerstreuen, Dich halten, in den Arm nehmen. Ja, so ticken Mamas. Wenn ich solche Gefühle habe, dann kommt lächelnd die innere Stimme und mahnt mich die Kirche im Dorf zu lassen. Ich habe mir angewöhnt meine innere Stimme sehr ernst zu nehmen und ihr zu folgen.

Mein Herz sagt, ich liebe Dich. Das wird so bleiben – das ist einfach die Natur.
Mein Kopf sagt, das wird so bleiben – ich habe mich dazu entschieden, das liegt in meiner Macht.
Mein Bauch sagt, das wird so bleiben – alles ist gut.
Alle zusammen, also ICH, sag – das wird also so bleiben, ich bin da, die Tür ist immer offen.

Vor einigen Jahren, da bin ich des Morgens aufgewacht und ein Wunsch war auf meinen Lippen. Ich habe ihn laut ausgesprochen:
„Ich wünsche mir eine Begegnung in Freiheit“

Meine Liebe, mein Wunsch ist erfüllt.

Mama

 

Text: Irma Belic,
für die Mamas im ‚Haus von morgen‘

Am Ende ist alles gut

Tagelang, wochenlang, manchmal monatelang ist alles gut.

Und an einem Tag dann plötzlich wache ich auf und ich spüre es schon. Heut fühlt sich alles schwerer an. Ich stehe auf, dann wird es schon besser werden.

Ich kann mich nicht konzentrieren, mein Organismus möchte, dass ich mich hinsetzte und zuhöre!
Er will mit mir kommunizieren. Er ist mit dem Thema noch nicht durch. Ich setze mich hin und fange an zu weinen. Er lässt nicht nach, mein Organismus, es ist dringlich. Ich soll schon wieder nachdenken und reinspüren, er ist sich noch immer nicht sicher, glaubt mir nicht.

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Aufrecht aushalten

Hallo ihr Lieben. Gestern war für mich ein sehr emotionales Gruppentreffen. Es hat mich zu tiefst berührt wir sehr manche an ihrem Leid und an ihrem Schmerz festhalten. Im Grunde spiegelt es mir wie ich bis vor kurzem selbst darin fest gesteckt bin. Mittlerweile lege ich meinen Fokus in eine andere Richtung und ich hoffe es gehen noch viele einen anderen Weg.
Was bedeutet für mich „aushalten“?
Wir alle sind Menschen und man glaubt gar nicht wie viel wir aushalten können. Aushalten bedeutet für mich etwas einfach nicht ändern zu können. Tagtäglich begegnen wir diesem Phänomen. Wir halten andere Meinungen aus, wir halten Schmerzen aus…wir halten Kriege aus…wir halten Zerstörungen aus…Umweltkatastrophen usw. Und wir halten dieses Leben aus, das irgendwann zum Tod führt. Auch dieses können wir nicht ändern. Aber wir können ändern wie wir es aushalten und was wir in unsere gegebene Zeit daraus machen. Wir können dieses Aushalten ändern. Nicht umsonst heißt es in einem Spruch: Der Weg ist das Ziel! Wir können so viel Gutes tun…für uns…für andere …für die ganze Welt und vor allem für unsere Kinder. Auch wenn diese nicht mit uns sprechen so sind wir mit ihnen unser ganzes Leben auf einer anderen Ebene verbunden. Und ich denke sie spüren sehr wohl was in uns vorgeht. Seien wir ihnen ein gutes Beispiel und leben wir ihnen ein gutes Leben vor. Wir sind starke Eltern den wir haben diesen gemeinsamen Weg gewählt in dieser Gruppe zu sein und etwas zu tun. Nicht zum Stillstand zu kommen sondern ins Handeln zu gehen, uns auszutauschen wie wir dieses Aushalten besser aushalten….Alles Liebe Eure Claudia

C.D.

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