Das Haus von morgen

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Your Stories

Es war einmal…

Bei unserem ersten Treffen wollen wir uns kennenlernen. Wir wollen uns unsere Geschichten erzählen.

Jeder von uns hat seine Geschichte.
Wir tragen sie mit uns, sie machen uns zum Menschen, der wir sind. Dazu gehören auch die nicht so fröhlichen Geschichten, Geschichten, die uns fordern, Geschichten, die uns wachsen lassen, wenn wir uns dafür entscheiden.
Niemand kann sie uns nehmen, sie bleiben bei uns.
Entscheidend ist, wie wir sie in unser Leben integrieren, was wir aus ihnen machen, wie wir sie bewerten.

 

 

Geschichten, die uns belasten können eine Krise bedeuten, sie bewegen uns, greifen ein in unser Leben.

Ich war sehr traurig über den Kontaktabbruch meiner Kinder. Ich konnte nicht verstehen. Klärung war nicht möglich. Briefe, Anrufe, sms blieben unbeantwortet.
Einige Zeit stand ich wie unter Schock, war wie gelähmt, konnte nicht handeln, nicht denken.
Ich habe beschlossen diesen Zustand nicht einfach hinzunehmen. Dennoch war mir klar, ich kann niemanden zu liebevollem Kontakt mit mir zwingen.
Mein Bauch riet mir loszulassen. Intuitiv wusste ich, das wäre der richtige Weg.
Mein Hirn hat das irgendwann verstanden.
Der Prozess dauert an, ich lerne meinen Anteil an der Situation zu erkennen und auch den Kindern ihren Anteil zu lassen. Ich sortiere Gedanken, Gefühle, Befindlichkeiten. Ich wechsle die Perspektive, ich lasse mich ein auf Gedanken, die ich nicht mag.
Ich versuche zu verstehen und werde klarer.

Worte kommen mir in den Sinn, einfach dahingesagte. Plötzlich bekommen sie Gehalt, fordern mich auf zur Auseinandersetzung mit ihrer tieferen Bedeutung.
Was bedeuten die Worte loslassen, Selbstwert, Mut, bedingungslose Liebe, Freiheit, Eigenverantwortung. Was mache ich mit dem Wort Schuld?
Ich denke, ich arbeite, an mir, an meinen Werten, an meinen Prinzipien.

Doch mein Herz hinkt nach, es ist voll Sehnsucht, voll Traurigkeit, und zu meinem Schreck auch voll Wut, voll Angst, voll Zweifel. Wie soll ich umgehen, mit diesen widersprüchlichen Gefühlen?
Ich habe gelernt sie zuzulassen, sie anzunehmen. Ich erlaube mir so zu fühlen. Auch diese Gefühle sind Teil meiner Geschichte. Ich spüre in mich hinein und bin sanfter mit meinem Selbst.

Und ich habe gelernt meine Gefühle zu teilen und Verständnis zu erfahren von Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.
Manche Inhalte der Geschichten ähneln sich. Im Austausch erfahren wir Verständnis. Es fällt mir leichter andere Blickwinkel einzunehmen, es fällt mir leichter zu akzeptieren, was ich nicht ändern kann.
Ich erfahre, dass Veränderung bei mir selbst beginnt.
Die Selbsthifegruppe bietet einen Schatz an Erfahrungen, Ideen, Möglichkeiten und Kreativität im Umgang mit belastenden Erfahrungen.
Ich möchte diesen Schatz mit euch bergen.

Ich erlaube mir anders zu denken, ich höre zu,ich bringe mich ein, ich lerne – durch Eure Geschichten.

My Story

Ich bin eine Mutter.
Meine vier Kinder sind nun schon erwachsen, zwei Töchter, zwei Söhne.
Wir hatten eine schwierige Zeit und zu den beiden Mädchen habe ich keinen Kontakt.

Ich werde ihre Mutter bleiben.

ich bleibe ihre Mutter

Biologisch ist das eine Tatsache und nicht zu ändern, auch wenn es den Wunsch dazu vielleicht gäbe.
Emotional und seelisch habe ich mich entschieden. Ich bin ihre Mutter, ich bleibe ihre Mutter, ich liebe sie, meine Türe und vor allem mein Herz werde ich offen halten, solange ich lebe.

Diese Entscheidung hat den Schmerz leichter erträglich gemacht. Das Gefühl der Ohnmacht ist gelindert.
Nun lerne ich loszulassen.
Ich lerne die Bedeutung dieses Wortes kennen. Loslassen – das sagt sich so einfach. Die Kinder ziehen lassen, sie ihre eigenen Entscheidungen treffen lassen, diese Entscheidungen respektieren, akzeptieren – das sagt sich so einfach, aber wenn das auch bedeutet, dass sie den Kontakt abbrechen, nicht antworten auf Briefe, Mails, SMS, Anrufe, dann bekommt das Wort Loslassen eine andere Dimension.

Wir waren eine Familie, wie man sich eine Familie vorstellt. Wir haben in einem Haus gewohnt, ein kleines Lokal geführt, die Kinder waren gesund.
Nach 22 Jahren habe ich mich von meinem Mann getrennt. Wir hätten unsere Beziehung nicht mehr hinbekommen. Die Trennung ist nicht optimal verlaufen. Ich bin eines Tages vom Sofa aufgestanden und gegangen.
Heute weiß ich, meine Kinder hatten das Gefühl, ich hätte sie einfach allein gelassen. Doch sie waren doch schon so groß! Ich konnte meine Bedrängnis und meine Befindlichkeit nicht richtig kommunizieren, nicht sagen wie es mir ging. Ich wußte es auch selbst nicht so genau. Ich wusste nur jetzt muss ich gehen. Niemandem ist eine Schuld zu geben. Wir haben wohl einfach etwas übersehen, es war zu spät, es gab keine Worte mehr.

Ich habe sie zwei Jahre nicht gesehen.
Ich habe mich dabei ertappt, dass ich sie suche, auf der Strasse, in Lokalen. Ich stand lange wie unter Schock.

Sechs Jahre sind seither vergangen, mit meinen Söhnen habe ich wieder liebevollen, erwachsenen Kontakt, dennoch bleibt etwas unausgesprochenes zurück, und vielleicht wird es einmal besprochen werden. Vielleicht kommt mal die Zeit, dass wir darüber reden können.
Wie sie sich gefühlt haben, damals.
Wie ich mich gefühlt habe, damals.
Vielleicht aber bleibt es auch verborgen. Macht es eine Unterschied? Muss alles besprochen werden? Ich weiß es nicht.

Mein soziales Netzwerk war groß, Freunde waren da für mich. Trotzdem war und ist es noch schwer darüber zu sprechen, dass meine Kinder nichts mit mir zu tun haben wollten (wollen).
Ich habe mich geschämt, war verwundet, habe mich unzulänglich gefühlt, hatte das Gefühl versagt zu haben, später kam Wut dazu, und Unverständnis.
Die Sehnsucht nach Kontakt zu meinen Töchtern ist wie eine Wunde, die nicht ganz verheilt. Sie bricht auf bei Berührung.

Im Zuge einer Ausbildung zum Lebens- und Sozialberater habe ich recherchiert und Geschichten von Menschen gefunden, denen es ähnlich geht. In Deutschland und der Schweiz gibt es schon längst Selbsthilfegruppen zu diesem Thema.
Das war für mich Anregung eine Gruppe zu gründen, damit ein Austausch stattfinden kann und wir uns gegenseitig über schwierige Phasen des Loslass-Prozesses hinweghelfen können.

Hier soll Platz sein darüber zu sprechen, was das Herz so schwer macht, wir wollen uns austauschen, einander zuhören, uns gegenseitig dabei helfen uns selbst nicht aufzugeben, sondern zu respektieren, andere Perspektiven einzunehmen – wir wollen uns gegenseitig das loslassen lehren und trotzdem Eltern bleiben.

Unser erstes Treffen findet statt am 15.März 2019 um 17 Uhr, Lauzilgasse 25/3.stock, 8020 Graz,

https://selbsthilfe-stmk.at/event/das-haus-von-morgen-shg-fuer-verlassene-eltern/

Ich liebe meine Kinder. Für sie habe ich mich entschieden.
Ich habe mich dazu entschieden ihre Mutter zu bleiben. Eine Mutter ohne Gram. Eine Mutter, die sie in Freiheit gehen lassen kann. Eine Mutter, die ihnen in Freiheit eines Tages wieder begegnen kann.

Oder auch nicht. Die Liebe ist ein Prinzip.

Wie lautet Deine Geschichte?