WARUM!!!!!?
Das fragen wir uns. Alle. Immer wieder. Und wieder.
Das WARUM gibt keine Ruhe, es hört nicht auf. Wir denken, wenn wir es wüssten, wenn wir verstehen würden, dann ….!
Nun, was dann? Stell Dir die Frage konsequent.
Denn, was wir beobachtet haben, ist, dass ein DARUM vieles macht, jedoch nicht das bringt, was wir uns erhoffen. Es bringt keine langfristige Erleichterung.
Das liegt wohl an den vielen Ausrufezeichen des WARUM. Denn das WARUM ist mehr Zeichen des Aufschreis denn konkrete, ernstgemeinte Frage. Wir unterliegen einem Kohärenzzwang – wir denken, verstehen zu müssen, sonst gibt das Gehirn keine Ruhe, die Seele findet keinen Frieden, der Körper leidet.
Was wir noch beobachtet haben, ist, dass wir, wenn wir einen Grund finden, ein DARUM also, daran festhalten wollen, reparieren wollen, besprechen wollen. Das will aber gerade die andere Seite eben nicht. Wir respektieren eben nicht, geben keine Zeit, lassen keinen Platz, machen genau das Gegenteil davon, was von uns erbeten (gefühlt erzwungen, erwartet) wird.
Wird die Frage jedoch konkret, meinst du es also ernst, dann beschreitest du einen inneren Jakobsweg. Du begegnest Dir selbst, Deiner Familie, Deinen Erlebnissen, Deinen Ressourcen, Deinen Beziehungen, Deinen Talenten, Deinen Werten, Deinen Überzeugungen, Deinen…., usw.
Warum das so schwer ist? Weil Du Dich vermeintlich wegbewegst von Deinem Sehnsuchts-Menschen. Weil Du Dich Dir selbst zuwendest, weil Du vermeintlich oder verspürt den Kontakt abbrichst. Loslässt. Sein lässt.
Aus dem WARUM!!!? wird langsam, ganz langsam, ein WOZU?
Weil das WARUM aber immer noch keine Ruhe gibt, haben wir uns bemüht, über die letzten Jahre Gründe zu sammeln. Sie sind ungeordnet aufgezählt. Wie viele davon spielen in Deinem Erleben eine Rolle?
Gründe:
- Unausgesprochene emotionale Bedürftigkeit der Bezugsperson (Eltern) und daher ein gefühltes Ablösungsverbot.
- Hilflosigkeit oder Krankheit der Bezugsperson, folgend unerträgliche Hilflosigkeit und Überforderung
- Rollenumkehr (Partnerersatz, Vertrauter, bester Freund/Freundin)
- Überstimuliertheit der Bezugsperson (oft unbewusst, aus Bedürftigkeit, eigenen unbearbeiteten Erlebnissen, vermeintlichem Schutz)
- Unbewusste Angst, von den Emotionen der Bezugsperson absorbiert, weggeschleudert, gefesselt zu werden
- Reinszenierung des Traumas einer Person der vorangegangenen Generationen als Lösungsversuch innerhalb des Familiensystems, für Stabilität durch jetzige Bewältigung zu sorgen.
- Abwehr der Übernahme von Gefühlen anderer Personen im System, meist durch Schweigen oder Ausagieren ohne Erklärungen weitergeben. Daher nicht erklär- und besprechbar.
- Liebe! Unbewusster Rückzug, um der Bezugsperson Platz für deren nicht erledigte Themen zu geben, bzw. darauf hinzuweisen.
- Unbewältigte Trauer
- Scham, den gegenwärtigen persönlichen Herausforderungen nicht gewachsen zu sein.
- Liebeskummer und Rückzug
- eigener Beziehungsstress
- Werte und Normen, die nicht übernommen werden wollen oder können
- Eine Bezugsperson, die immer verstehen will, was sich nicht erklären lässt.
- Eine Bezugsperson, die ein NEIN ohne Erklärung nicht respektiert.
- Verlorene Verständnisinnigkeit bezüglich Werte, Normen, Überzeugungen
- Als dysfunktional bewertete Konfliktstrategien durch die Bezugspersonen.
- Verhalten der Bezugsperson, das Aversionen auslöst, und bei dem auf mehrmalige Bitte, es zu unterlassen, keinerlei Veränderung erkennbar ist.
- Das Gefühl, den Erwartungen der Eltern nicht entsprechen zu können und daher nichts wert zu sein.
- Unausgesprochenes Überholungsverbot einer Bezugsperson.
- Das Gefühl, das Leben, die Erwartungen und unerfüllten Wünsche der Bezugsperson leben zu müssen.
- Zu wenig Interesse, dafür ständige Ratschläge.
- Neue Partner:innen mit gegensätzlichen Wertehaltungen
- Loyalitäten und Prioritäten, die von der Bezugsperson (unbewusst) abgelehnt werden.
- Generationenbruch und veränderte Wahrnehmungen der Wirklichkeit.
- Verschobene Entwicklungsaufgaben einer Person (auch der Bezugsperson).
- Ein unbewältigter und unauflösbarer Konflikt, oft schon innerhalb der Generationenfolge.
- Das Gefühl, von der Bezugsperson im Wesen nicht erkannt zu werden.
- Um jemanden anderen zu schützen.
- Um Schlimmeres zu verhindern.
- Um Bindung gewährleistet zu wissen.
- Helikoptereltern und daher das entstehende Gefühl, eine Person zu sein, die alleine nichts zustande bringen wird, also nichts wert ist.
- Eine Bezugsperson, die alle möglichen Probleme vorwegnimmt.
- Bezugspersonen, die sich Konflikten entziehen.
- Wenn Harmonie im Familiensystem gefühlt über bestehende Konflikte, Individualität und Autonomiebedürfnisse einzelner gestellt wird.
- Ständige Sorge der Bezugsperson wirkt wie Invalidisierung. „Du bist nicht ganz ok.“
- Das Gefühl einer Person, mit den eigenen Interessen und Talenten nicht anerkannt zu werden.
- Unbewusster Kontaktabbruch der Bezugsperson durch Perfektionismus, psychische Belastung, ständige Arbeit.
- Beziehungsprobleme der Bezugspersonen
- Verdrehung der Wahrnehmung durch das Familiensystem oder einzelne Bezugspersonen („Nein, das ist gar nicht so, wie du denkst, wir haben uns eh lieb, …“)
- Absprechen von Gefühlen, Emotionen, Schmerzen. („Das tut ja gar nicht weh“)
- Zunahme der Möglichkeit, innerhalb einer Community (Social Media, SHGs, Internet) den KA/F/E als Problemlösung zu besprechen/zu etablieren.
- Gesellschaftliche Veränderungen bezüglich Werte und Normen im Umgang miteinander, innerhalb einer Gesellschaft.
- Verlust an Ritualen und Übergängen.
- Veränderte Herausforderungen in den verschiedenen Entwicklungsphasen.
- Scheidung und Patchwork
- Familie im Wandel der Gesellschaft
- Zunahme von Distanzierung, Individualisierung im Allgemeinen
- Überempfindlichkeiten und Rückzug bzw. überbordende Emotionalität auf Grund latenter Stressempfindung (Klimawandel, drohende Kriege, wirtschaftliche Situation)
- Die Eltern/Bezugspersonen werfen einen großen Schatten. „Das werde ich niemals erreichen können.“
- Das Gefühl, den eigenen Lebensstil vor den Bezugspersonen verstecken zu müssen, weil er deren Grundhaltung nicht entspricht.
- Um nicht zu enttäuschen.
- Veränderung der Rollenbilder und deren Aufgaben
- Psychologisches Vorwissen und Bildung
- Doctor Google
- Digitale Diagnosen psychischer Störungen und die Ermutigung zur Abgrenzung davon
- Unaussprechliche Enttäuschungen
- Unbewältigte Traumata der Bezugspersonen und daraus folgend unbewusste Übergriffigkeit, unerklärliche Affekte, emotionale Überschwemmung.
- Tabu, die Eltern zu kritisieren
- Bindungsmuster und Bindungsverhalten, die die Ablösung verhindern.
- Generation Gap! Die Boomers haben die Welt zerstört.
- Latent hoher Stresspegel, in dieser Welt bestehen zu müssen, und die Generation davor versteht gar nichts
- Verschiedene Wirklichkeitskonstruktionen, daher verschiedene Sprachen. Daher nicht kompatibel.
- Empathie und Emotionen werden von einer jungen Generation zunehmend als belastend bewertet, „nur rein rational ist diese (ihre) Welt zu retten.“
- Drohender Identitätsverlust der Bezugspersonen, wenn die Kinder in ihr eigenes Leben gehen „Wer bin ich dann? Was ist die Beziehung wert? Welchen Nutzen habe ich noch?“ – Verweigerung der Entwicklungsaufgaben
- Pseudoopferhaltung der Bezugsperson löst unerträgliche Schuldgefühle aus: „Ich habe alles nur für dich gemacht, mein ganzes Leben habe ich dir geopfert.“
- „Ohne Dich ist mein Leben nichts mehr wert.“ Nicht verwirklichbare Verantwortung löst Scham- und Schuldgefühle aus.
- Familienbild passt nicht mehr zur Wahrnehmung der Wirklichkeit („Familie hält immer zusammen, die Familie ist das Wichtigste im Leben.“)
- Unaussprechliche Rivalitäten, Konkurrenzgefühle und Neid als unerträglich ambivalente und verbotene Gefühle (gilt beiderseitig, Gefühle sind diesbezüglich oft unbewusst, deshalb unaussprechlich)
- Alle als negativ bewerteten Grundemotionen (Angst, Kummer, Ekel, Schrecken), je nach Vorerfahrung und Copingstrategien
- Erwartungen, Enttäuschungen, Konflikte bezüglich Erbschaft
- Weil es möglich ist! Wir können es uns gesellschaftlich leisten.
Diskussionsvorschläge bezüglich Veränderung der Gesellschaft. Stichworte:
Ungewöhnlich lange Friedenszeit im deutschsprachigen und anglo-amerikanischen Raum; Wissenschaftsentwicklung und dadurch theoretisches Wissen; Veränderung der gesellschaftlichen Paradigmen (Bsp. Kindererziehung und Folgen, Kinderschutzgesetz) – daraus folgend vermehrt Scham- und Schuldgefühle und Tabuisierungstendenzen; Individualisierungstendenzen auf Grund von Sicherheitsgefühl und ausreichender Grundversorgung vs. kollektivistischen Kulturen
Falls Du noch weitere Gründe findest, bitten wir Dich, uns eine Mail zu schicken an: info@dashausvonmorgen.at
Wir sind an Deinen Gedanken interessiert!
