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Fine Line

Fine Line

Wir haben uns kennengelernt, es war wie ein Wunder, unsere Herzen waren so froh und ein Stück des Weges gingen wir gemeinsam.

Das Stück des Weges. Es war nicht so lange, wie ich es andachte. Die Abzweigung, die Trennung, es lag ein tiefer Graben auf dem gemeinsamen Weg. Wir mussten immer wieder mit Gräben rechnen , ab diesem Scheideweg. Gräben im Herzen, tief, dunkel.

Niemand versteht den anderen in seiner Gesamtheit. Du fühlst mit Deinem Herz in die Welt, und die anderen mit ihrem. Und ich fühle mit meinem Herzen. Fühle ich eine andere Welt? Als Du? Ich bin mir nicht sicher.

Ich habe Dein Herz verletzt. Das tut mir leid und ich fühle mit Dir. Etwas hat mein Herz verletzt. Ich kann Dich gut verstehen. Ich wage es und möchte sagen. „Wir fühlen ähnlich.“

Warum nur, warum!!!!?

Doch verändert sich etwas. Langsam. Stetig.

Die Herzen. Sie erinnern sich, ständig und beharrlich. Sie sind noch nicht sicher. Wenn es dann so weit sein wird werden feine Narben wie Gold das Herz durchziehen. Es wird schimmern wie kein anderes, es wird fühlen, wie kein anderes. Dein Herz. Und meines auch. Da bin ich sicher.

Narben wachsen. Das schmerzt. Wer Schmerzen hat will stammeln, weinen, schreien. Nach Worten ringen. Schweigen. Dein Herz weiß um das warum. Das Hirn findet keine Worte. Es ist hilflos. Das Herz braucht keine Worte. Es will traurig sein, Dein Herz, so glaube ich. Oder ist es wütend? Enttäuscht? Hat es gar Angst? Wie meines? Müde. Es ist der Worte müde. Es will Zeit haben. Und ruhen. Auch mein Herz braucht Zeit, und ich staune. Lange war da das Schreien.

Zuerst sind es die Abstände zwischen den Gräben. Sie werden länger. Die guten Phasen, sie werden tatsächlich länger.

Dann: ich komme aus den tiefen Gräben schneller heraus. Ich habe Übung. Wie ist es bei Dir? Unser gemeinsames Stück des Weges! Es muss ausreichen. Ich muss vertrauen. Ich bitte, ich bete, tatsächlich, dass es ausreichen möge und Du es aushalten kannst, bis sich die Fäden bilden, die feinen, die sanften, die goldenen.

Man darf und soll sein Herz sich ausdrücken lassen. Zur richtigen Zeit, am richtigen Ort, mit Aufmerksamkeit und regelmäßig. So habe ich gehört. Von lieben anderen. Gut aufgehoben möge es sein, bei einem anderen Herzen, einem ruhigen, bei einem Hirn, das Worte findet. Die richtigen. So kann sich Dein Herz entspannen. Es fühlt sich sicher, gehalten, gesehen, versorgt. Du dort. Ich da.

Später dann, bald, sind die Gräben nicht mehr so tief, nicht mehr so dunkel. Es ist etwas zu erkennen. Glaube mir, ich weiß es. Hab´ Geduld. Für Dich. Und auch für mich?

Dein Herz soll in Ruhe goldene Fäden ziehen. Ein gutes Wort, ein weiterer Tag, eine Erinnerung knüpfen Faden an Faden und sie verschließen die Schrammen, die Wunden, vertreiben die Angst.

Und schließlich, irgendwann, wirst Du die Schätze zählen können, die Du gehoben hast in jedem einzelnen Graben. Mag sein, dass sie klein sind und noch haben sie kaum Gewicht. Doch sie wachsen, werden zu weiteren goldenen Fäden, spinnen ein Netz um Dein Herz.

Mein Herz schimmert. Es hatte allen Grund für viele goldene Fäden.

„Sobald wir uns aber wirklich etwas zu sagen haben, sind wir gezwungen zu schweigen.“

(Maurice Maeterlinck)

 

Vertraue auf dein Herz ♥️.